Uncle Julius’ Book

In the early 1980s, Julius Quast and his daughter Elisabeth came with another relative to visit Minnesota and Iowa to see how the Quast descendants in the New World were getting on. I remember him as a jovial old man, couldn’t speak any English but was very pleased he could visit again; I don’t think he’d been there since the 60s. Elisabeth would translate for him. They traveled to our place with my Grandma Lavarian Post, who was roughly the same age as Elisabeth.

Julius worked for Deutsche Post for 30 years and retired at age 60. For the next 30 years of his life — he lived until 90 — he did amazing amounts of genealogical research. He typed it up in at least five volumes and had them bound. I was lucky enough to see these books when I visited Neuenfelde in 2006. I took pictures of the pages relevant to my immediate Quast family and have transcribed them here; some day I’ll get around to translating them into English.

From Uncle Julius’ book:

An der um die Mitte den vorigen Jahrhunderts stärker einsetzenden Auswanderung nach Amerika beteiligten sich in zunehmendem Umfang auch Altländer. Es handelte sich in der Hauptsache um Bauernsöhne, die hier keine Möglichkeit zur Gründung einer Familie hatten, aber auch Bauern verkauften ihre Höfe, um mit ihrer ganzen Familie das Glück in der Ferne zu suchen. Die Regierung der Vereinigten Staaten gab Regierungsland zu günstigen Bedingungen ab und förderte mit allen Mitteln die Besiedlung der menschenleeren Gebiete. Waren es zuerst einzelne, die die Heimat verließen, so zogen sie mehr und mehr andere nach. Es ist dabei verständlich, daß die nachziehenden Auswanderer nach Möglichkeit sich dort niederließen, wo schon ihre Landsleute gesiedelt hatten. Das Gefühl, auch in der Fremde unter Bekannten und Verwandten zu wohnen, machte ihre Entschlüsse leichter.

So kam es, daß Auswanderer aus dem Alten Lande in Amerika in gewissem Sinne Kolonien bildeten, so z.B. im Staate Minnesota. Die landsmannschaftliche Geschlossenheit solcher Siedlungen, z.B. in Goodhue und Zumbrota, haben sich nach mehr als 100 Jahren bis heute z.T. erhalten. In nur einer Ausgabe der Tageszeitung “The Zumbrota News” aus dem Jahre 1969 sind in den Anzeigen und sonstigen Veröffentlichungen folgende Namen zu lesen: Hadler, Ruether, Holst, Banitt, Lohmann, Wendt, Diercks, Matthees, Struß, Hinrichs, Quast, Prigge, Stechmann, Oelkers, Buchholtz, Dammann, Dankers, Tiedemann, Hoeft, Reese, Witt, Bredehoeft, Hamm, Jonas, Merkens, Stehr, Pickenpack usw..

Eine recht anschauliche Beschreibung der Lebensverhältnisse in Goodhue gibt die beigefügte Niederschrift einer Unterhaltung mit Hans Ilmers – Moisburg.

Auch Cord Quast, der Bruder unseres Großvaters, ging mit seiner jungen Frau Catharina geb. Stemmer nach drüben, da er hier keine Möglichkeit sah, eine Familie zu gründen. Das war im Jahre 1868. Er erwarb dort Siedlungsland in einer Größe von 160 acres. (rd. 64 ha.) Sicherlich wird er wie alle Siedler einen schweren Anfang gehabt haben, doch mit Fleiß und Ausdauer gelangten er und seine Frau zu bäuerlichem Wohlstand. Die Farm besitzt heute sein Enkel John Quast. Im Jahre 1908 machten Cord und Catharina nach 40-jähriger Abwesenheit einen Besuch in der alten Heimat. Bei dieser Gelegenheit wurden sie zzu einer Hochzeit eingeladen. Ein Photograph, der das Brautpaar photographiert hatte, machte auch eine Gruppenaufnahme von Cord und Catharina Quast, von Vater und Mutter und unserer damals elfjährigen Schwester Johanne. Die Bilder im Kopf der Stammtafel von Cord und Catharina entstammen eine Reproduktion des Originals.

Wie aus dieser Tafel zu ersehen ist, hat die Nachkommenschaft einen großen Umfang angenommen, wobei zu bedenken ist, daß die jüngsten Abkömmlinge nicht alle erfaßt worden sind.

Auch Großvaters Schwester Metta ging mit ihrem Mann Jacob Stehr nach Goodhue und erwarben dort eine Farm. Auch ihre Nachkommen leben in Goodhue oder in der näheren Umgebung. Jacob Stehr stammte aus dem Hause des Brenners Stehr in Vierzigstücken.

Später folgte Vaters Schwester Katharina mit ihrem Mann Jacob Behrens den Verwandten nach. Behrens stammte aus Cranz-Neuenfelde. Das Ehepaar wurde aber nie recht an einer Stelle seßhaft, sondern lebte an verschiedenen Orten in Minnesota und Iowa. Die Nachkommen leben heute verstreut in allen Teilen der Vereinigten Staaten.

Die Verbindung zu unseren Verwandten drüben war von Beginn des 1. Weltkrieges bis 1938 unterbrochen. In dieser Zeit waren Cord Quast und Großvater verstorben, desgl. Tante Katharina. Als ich erstmalig nach dieser langen Unterbrechung einen Brief an die Quast-Familie in Goodhue sandte, bekam ich einen langen Brief von der inzwischen verstorbenen Gertrude Quast, der Enkelin von Cord. Die Verwandten waren hocherfreut, wieder von uns zu hören. Gertrude schrieb u.a. wörtlich: “The Quast family appreciates hearing from Your folks over there more than we can express in words!” Seit dieser Zeit besteht ein regelmäßiger Briefverkehr.

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Ansichts des von Cord Quast erbauten Wohnhauses auf der Farm in Goodhue.

Hans Ilmers – Moisburg in Goodhue

Irene Quast fragte im Mai 1963 im Auftrage ihres Vetters Herbert Lemke nach einem Hans Ilmers, der in der Nahe von Buxtehude wohnen soll. Ilmers sei vor etwa 35 Jahren in Goodhue gewesen, habe dort bei verschiedenen Farmern gearbeitet und sei mit Herbert Lemke befreundet gewesen. Es gelang, Hans Ilmers in Moisburg zu finden. Er besitzt dort eine Landwirtschaft.

Über seinen Aufenthalt in den USA, besonders in Goodhue, berichtet er etwa folgendes:

Ich ging im Johre 1928 mit 18 Jahren nach drüben. Obgleich ich das Schlachterhandwerk erlernt habe, mußte ich zunächst doch in die Landwirtschaft gehen. Von 1928 bis 1933 war ich bei verschiedenen Farmern in Goodhue tätig, u.a. auch bei Johann (John) Quast und dessem Schwiegersohn Roy Schultz. Johann Quast habe ich sehr gut in Erinnerung. Er war ein herzensguter Mann, der nur seiner Arbeit auf der Farm lebte. Die Arbeitsbedingungen in der Landwirtschaft drüben waren damals sehr hart. Soweit ich das beobachtet habe und beurteilen konnte, waren sie sehr viel härter als in Deutschland. Frau Alvina Quast ist auch deutscher Abstammung. Ihre Eltern kamen, soviel ich weiß, aus Pommern. Für J.Q. habe ich einmal eine lange Tabakspfeife aus Deutschland kommen lassen, da es eine in der gewünschten Art drüben nicht zu kaufen gab.

Ende der 20-er Jahre herrschte eine schlimme Wirtschaftskrise in den USA. Die Farmer bekamen für ihre Erzeugnisse nur niedrige Preise. Somit bekam ich auch nur einen geringen Lohn. Eine Zeitlang war ich in meinem Beruf bei Schlachtermeister Buchholtz in Zumbrota tätig, desgl. auf dem Schlachthof in St. Paul. Die Arbeiter in der Landwirtschaft waren auch damals schon sehr knapp. Die Farmer halfen sich durch Gemeinschaftsarbeit, besonders zu Erntezeit. Alvina Q. setzte sich oft selber auf die Mähmaschine. Dabei erlitt sie einen schweren Unfall, als sie bei einem unerwarteten Anziehen der Pferde mit einem Fuß in das Maschinenmesser geriet. Der Fuß mußte amputiert werden.

Die Farm von J.Q. ist 160 acres groß, was etwa 65 ha entspricht. Dazu kommen noch eineigen Pachtländereien. Die Farmer waren, abgesehen von einegen Schweden, fast ausschließlich norddeutscher Abstammung, in der Mehrzahl aus dem Unterelberaum. Im gewöhnlichen Verkehr untereinander sprachen sie plattdeutsch. Ich entsinne mich Namen wie Ehlen (Sauensiek), Duden (Horneburg), Jonas und Diercks (Neuenfelde), Thiemann (Ostmoore), Meyer, Struß, Buchholtz, Stehr usw. Es gab in Zumbrota auch eine deutsche Schule. Johann Q. hielt sehr darauf, daß jedes Familienmitglied monatlich mindestens einmal zur luth. Kirche ging, in der 3 mal im Monat deutsch und 1 mal englisch gepredigt wurde. Von Beziehungen zu Verwandten in Deutschland wurde überhaupt nicht gesprochen. Sie wußten zwar, daß ihre Eltern oder Großeltern aus Deutschland eingewandert waren, aber keiner wußte zu sagen, ob er dort noch Verwandte hatte. Der erste Weltkrieg hatte stark trennend gewirkt.

Goodhue ist kein geschlossenes Dorf, wie wir es hierzulande kennen, sondern die einzelnen Farmen liegen inmitten ihrer Ländereien. Sie sind meistens durch Feldwege miteinander verbunden. Lediglich 3 oder 4 Häuser stehen an einer Stelle dicht beieinander. Diese Häusergruppe wird White Villa [sic — White Willow] genannt. Hier bauten die Farmer auf genossenschaftlicher Grundlage eine Meierei mit Käsefabrik. Da die Sache aber nicht florierte, wurde der Betrieb nach einigen Jahren wieder eingestellt.

J.Q. hatte damals etwa 25 Milchkühe. Eine Melkmaschine gab es damals noch nicht. Außerdem wurden Schweine gemästet. Auch Geflügelzucht wurde betrieben. Die Farm hat schweren Lehmboden. Angebaut wurde Gerste, Weizen und Mais (Silomais). Für Kartoffelanbau war der Boden nicht geeignet, desgl. nicht für Obst. Das Klima ist ausgesprochenes Festlandsklima mit heißen Sommern und kalten Wintern. In schlimmer erinnerung habe ich furchtbare Dürrezeiten im Vorsommer — die Gerste wurde nur etwa 10 cm hoch — und entsetzliche Schneestürme.

Die Gebäude — Wohnhäuser, Scheunen und Stallungen — sind aus Holz errichtet. Die Wohnräume sind geräumig und recht geschmackvoll eingerichtet. Damals bestand in den USA noch die prohibition (Alkoholverbot); aber genau wie bei uns nach dem 2. Weltkrieg wurde auch drüben viel schwarz gebrannt. Bei Tanzvergnügungen verkauften Schwarzhändler draußen in der Dunkelheit ihre Brennerzeugnisse, so daß es immer Angetrunkene gab. Der frühere Bierverleger Johannes Künne in Buxtehude war ebenfalls s. Zt. in Goodhue. Er mochte auch damals schon gern einen heben. Roy Schultz sagte inmal zu mir im schönsten Platt, als Hannes wieder einen sitzen hatte: “Dat ward Tied, dat Hannes wedder no Dütschland geiht, as suppt he sicg hier noch blind!” (Methylalkoholvergiftung!)

In den Jahren 1928-1935 wurde die Feldarbeit noch mit Pferden verrichtet. J.Q. hatte mehrere Gespanne schwerer Rasse und einege leichte gezähmte Wildpferde. Die Söhne John und Walter hatten zum Reiten ein Pony. Roy Schultz hatte aber damals schon einen Schlepper. Auch die ersten Autos (Ford) kamen in die Gegend. Auch J.Q. hatte sich einen dieser hochrädrigen Wagen angeschafft. Das Getreide wurde mit einem Getreidemäher (Selbstbinder) im Pferdezug gemäht. Die anstrengendste Arbeit war das Hocken der großen gemähten Flächen in der glühenden Hitze. Ich bin damals einmal bei dieser Arbeit ohnmächtig zusammengebrochen. Das trockene Getreide wurde nicht eingefahren, sondern auf dem Felde von einem von Farm zu Farm ziehenden Unternehmer im Lohndrussch gedroschen. Dabei wurde ebenfalls Nachbarschaftshilfe geleistet.

Ich will noch erwähnen, daß es mir eine der Quast-Töchter angetan hatte. Um welch es sich handelte, will ich nicht verraten. Es fehlte nicht viel, und ich hätte eine Quast zur Frau gehabt. Warum di Sache nicht zustande kam, will ich ebenfalls verschweigen.

 

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